LED-Scheinwerfer selber bauen

Kleiner Hinweis am Rande: Dieser Text ist schon etwas älter, heute gibt es durchaus brauchbare LED-Leuchten für Fahrräder fertig zu kaufen. Wer trotzdem selber einen LED-Scheinwerfer bauen möchte, sollte sich eher in Richtung Luxeon-LEDs umschauen - die haben einen etwas besseren Wirkungsgrad und einen schönes, weisses Licht.

Was bringt der LED-Scheinwerfer?

Ich habe den Scheinwerfer mehrmals auf nächtlichen Touren getestet - meistens auf Landstraßen ohne fremde Beleuchtung. Die Reflektoren am Strassenrand reflektieren sein Licht bis zu 150m weit und Autos blenden fast ausnahmslos ab, sobald die Fahrer direkten Blickkontakt zur Lampe haben (was mir vorher noch nie passiert ist). Kurioserweise ist der Scheinwerfer extrem gut sichtbar während man selber nicht nennenswert viel von den 70.000 Millikerzen Leuchtkraft hat - die Lichtzusammensetzung ist dafür einfach zu schlecht. Das Licht entspricht in etwa dem Dämmerungslicht kurz nach Sonnenuntergang - ist also sehr kontrastarm. Der Scheinwerfer zaubert zwar einen deutlichen Lichtkranz auf den Asphalt, kommt dabei aber nur knapp an die Leuchtkraft eines legalen Scheinwerfers heran. Für Gelände (und unbeleuchtete Radwege) eignet sich der Scheinwerfer also eher nicht, dafür möchte ich ihn für die anderen Einsatzgebiete nicht mehr missen. Wer auch mal Abstecher abseits fester Wege machen möchte, kann sich ja noch bei Bedarf einen 20Watt-Halogenscheinwerfer gleicher Bauform dazuschalten.

Werkzeuge

  • Bohrmaschine
  • Abdeckkappe für Auto-Anhängerkupplung
  • 8mm-Holzbohrer
  • Laubsäge (notfalls Stichsäge)
  • Lötkolben
  • eventuell Feile oder Schmirgelpapier

Teile

  • 20 Hochleistungs-LEDs, 5mm, weisse Lichtfarbe
  • 20 Widerstände 470 Ohm (bei 12 Volt)
  • 20 LED-Fassungen 5mm
  • kleiner Rest Siebdruckplatte (min. 6cm Durchmesser), ab 8mm Stärke
  • Heisskleber (notfalls normaler Alleskleber)
  • Isolierband
  • Lötzinn
  • etwas isolierter Draht
  • Cinchbuchse, unbedingt vergoldet
  • Schlauchschelle mit Lenkerdurchmesser
  • Schlauchschelle mit Abdeckkappendurchmesser
  • Akkupack mit Chinchanschluss (selber bauen)

Die LEDs holt man am besten bei Pollin (Bestell-Nr. 120 230), dann zahlt man für 20 Stück gerade mal 10 EUR. Auf keinen Fall sollte man bei Pollin Bleiakkus kaufen - die sind Schrott! Fassungen (Bestell-Nr. "Montagering 5mm"), Widerstände etc. und den eventuell noch nicht vorhanden Bleiakku (z.B. Bestell-Nr. "WP 1,9-12") bekommt man günstig bei Reichelt. Gerüchtweise soll es auch in Hirschau noch einen bekannten Elektronikversandhändler geben, aber die gehen mir mit ihren fast täglichen Werbeattacken so auf den Sack, daß ich da nichts mehr bestelle. Die Abdeckkappen sollte man auf jeden Fall im Autozubehör holen, denn Baumärkte bieten in der Regel nur überteuerte Billigstware an. Bei der Siebdruckplatte handelt es sich um ein wasserfest verleimtes Sperrholz mit mehreren schwarzen Kunststoffschichten. Leider führen es nicht alle Baumärkte. Falls ihr es nicht bekommt, versucht es mal bei Bahr, die haben es eigentlich immer. Notfalls kann man auch normales wasserfest verleimtes Sperrholz nehmen, aber dann sollte das Holz vor dem Einsetzen der LEDs zusätzlich lackiert werden.

Holzeinsatz zurechtsägen

Eure erste Amtshandlung ist, die Siebdruckplatte so zurechtzusägen, daß sie so bündig wie möglich in die Öffnung der Abdeckkape passt. Dass geht am besten mit einer Laubsäge. Bei Stichsägen splittert eigentlich immer das Holz - in diesem Fall lieber etwas größer schneiden und den Rest mit der Feile runterholen.
Die Grundplatte

Löcher bohren, Fassungen einsetzen

Auf irgendeine Art und Weise müssen nun 20 8mm-Bohrungen auf dem Holzstück untergebracht werden. Ob Ihr das nach Auge, Lineal oder Schablone macht ist eigentlich egal. Bevor die Fassungen in die Bohrungen eingesetzt werden, schneidet man die kleinen Widerhaken ab - die verhindern sonst das Einführen der LEDs. Und weil wir ohnehin schon die Bohrmaschine in der Hand haben, bringen wir auf der Oberseite der Abdeckkappe eine Bohrung an (in der Regel 5mm), in der dann die Chinchbuchse montiert wird.
Die Grundplatte mit Bohrungen

Widerstände anlöten und isolieren

Jetzt kommt Fummelarbeit. An längeren Beinchen der LEDs wird jeweils ein Widerstand angelötet und zwar so, das der eigentlich Widerstand genau am Ende des Beinches beginnt. Dieses Beinchen wird dann bis über den Widerstand sorgfältig mit Isolierband umklebt.
LED mit erkennbarem Widerstand unter der Isolierung

LED verlöten und einsetzen

Nun werden die fertigen LEDs von unten in die Fassungen geschoben. Wer möchte kann jede LED mit einem Trofen Heisskleber sichern - meistens halten Sie aber ganz alleine. Sollte doch mal eine LED kaputt gehen, bohrt man sie einfach raus. Nun werden die nicht isolierten Beinchen alle miteinander verlötet. Danach sind die isolierten Beinchen (bzw. die Widerstände) dran, die alle verzwirbelt und anschließend ebenfalls verlötet werden. Unbedingt aufpassen, daß nicht irgendwo die Isolierung wegschmilzt. Die isolierten Beinchen werden mittels eines isolierten Kabels an den inneren Teil der Chinchbuchse gelötet, die anderen Beinchen an den äußeren Teil.
Die Grundplatte mit einigen Fassungen
Bestückte Grundplatte von vorne
Bestückte Grundplatte von hinten
Die Masse wird verlötet
Der Rest wird verlötet

Finale!

Jetzt wird der untere Innenteil der Abdeckkappe mit (Heiss)kleber bestrichen und das Holzstück vorsichtig eingepresst. Den Kleber fest werden lassen und dann die Lampe mit den zwei Schlauchschellen am Lenker anbringen. Herzlich Glückwunsch, Ihr seid jetzt stolzer Besitzer einer hochillegalen Fahrradbeleuchtungsanlage! Das Bild gibt die Leuchtkraft nicht mal annähernd realistisch wieder - zu mehr wollte sich meine Kamera aber leider nicht hinreissen lassen.
Kompletter Scheinwerfer
In Betrieb
Als Kombination montiert
Befestigungsdetails

Und wo ist der Akku?

Mir doch egal ;-) Es gibt tausend Möglichkeiten und Bauanleitungen für Akkuhalterungen. Wichtig ist eigentlich nur, daß der Akku 12 Volt hat (sonst müsst Ihr die angegebenen Widerstände umrechnen) und daß der Pluspol am Innenteil der Chinchbuchse liegt. Mein 1kg schwerer Alltagsakku hat 1,9 Amperestunden (Ah), damit habe ich bei gelegentlichem Hinzuschalten des Halogenstrahlers etwa 2,5 Stunden volle Leuchtkraft. Ihr solltet übrigens beim Basteln unbedingt auf Kurzschlüsse achten, sonst beginnen selbst 4mm²-Kabel augenblicklich zu bruzeln :-)
Aua!